Sapiosexuell
Sapiosexuell ist eine Selbstbezeichnung für Menschen, die sexuelle Anziehung besonders stark über Intellekt, geistige Anregung, Gespräch, Wissen, Humor oder Denkweise erleben. Manche verstehen Sapiosexualität als sexuelle Orientierung, andere eher als Präferenz, Attraktionsmuster oder Identität im weiteren Umfeld des asexuellen Spektrums. In letzterem Sinn kann gemeint sein, dass sexuelle Anziehung erst entsteht, wenn eine als bedeutsam empfundene intellektuelle Verbindung vorhanden ist.
Der Begriff beschreibt nicht zwingend, dass Aussehen, Körperlichkeit oder andere Formen von Nähe keine Rolle spielen, sondern dass geistige Verbindung für die betreffende Person besonders zentral ist. Wie bei ähnlichen Labels hängt die genaue Bedeutung stark davon ab, wie eine Person den Begriff für sich selbst verwendet. Sapiosexualität ist keine medizinische oder psychologische Diagnose und kein objektiv messbares Kriterium für Beziehungsfähigkeit oder Begehren.
Kritisiert wird das Konzept, weil es „Intelligenz“ als Voraussetzung für Begehrenswertsein darstellen kann. Da Intelligenz gesellschaftlich ungleich bewertet wird und mit Bildung, Klasse, Sprache, Neurodivergenz, Behinderung, Rassismus und anderen Machtverhältnissen verknüpft sein kann, kann der Begriff ausschließend oder ableistisch wirken. Eine reflektierte Verwendung sollte deshalb deutlich machen, dass es um persönliche Anziehung zu bestimmten Formen geistiger Verbindung geht, nicht um eine Abwertung von Menschen, die nicht als „intelligent“ gelten oder nicht in normierte Vorstellungen von Intelligenz passen.