Geschlechterrolle
Eine Geschlechterrolle ist eine Sammlung gesellschaftlicher Erwartungen daran, wie Menschen eines bestimmten Geschlechts angeblich sein, aussehen, fühlen oder handeln sollen. Dazu gehören Vorstellungen über Verhalten, Kleidung, Körpersprache, Berufe, Eigenschaften, Hobbys, Familienrollen, Sexualität oder den Umgang mit Gefühlen. Geschlechterrollen sind nicht naturgegeben, sondern soziale Konstrukte: Sie entstehen in Gesellschaften, werden erlernt, weitergegeben und können sich historisch und kulturell verändern.
Welche Geschlechterrollen als „normal“ gelten, hängt stark vom gesellschaftlichen Umfeld ab, etwa von Kultur, Region, Religion, sozialer Klasse, Alter, Behinderung, rassistischer Zuschreibung oder anderen sozialen Faktoren. Solche Erwartungen sind oft widersprüchlich und können kaum vollständig erfüllt werden. So können Menschen gleichzeitig dafür bewertet werden, zu wenig oder zu stark „weiblich“, „männlich“ oder geschlechtskonform aufzutreten.
Wer Geschlechterrollen nicht erfüllt, nicht erfüllen möchte oder nicht erfüllen kann, erlebt häufig Abwertung, Ausgrenzung oder Diskriminierung. Das betrifft zum Beispiel feminine Männer, maskuline Frauen, trans, nichtbinäre und inter* Personen, aber auch cis Personen, deren Verhalten oder Aussehen nicht den Erwartungen entspricht. Eine reflektierte Haltung zu Geschlechterrollen bedeutet, sie nicht als feste Wahrheit zu behandeln, sondern Menschen in ihrer Selbstbestimmung, Vielfalt und individuellen Lebensweise zu respektieren.