Performativität
Performativität ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und beschreibt den Zusammenhang zwischen Sprechen und Handeln. Eine Äußerung ist performativ, wenn mit dem gesprochenen Wort nicht nur etwas beschrieben, sondern zugleich eine Handlung vollzogen oder eine soziale Wirklichkeit hergestellt wird. Ein klassisches Beispiel ist eine Trauformel wie „Hiermit erkläre ich Sie zu Ehepartnern“, sofern sie in einem passenden rechtlichen und sozialen Rahmen ausgesprochen wird.
Das Konzept wird auch in der Geschlechterforschung verwendet, besonders im Anschluss an feministische und queere Theorie. Dort bezeichnet Performativität die wiederholten sprachlichen, körperlichen und sozialen Handlungen, durch die Geschlecht zugeschrieben, erkennbar gemacht und gesellschaftlich bestätigt wird. Ein Beispiel ist die Aussage „Es ist ein Mädchen“ bei einer Ultraschalluntersuchung: Sie beschreibt nicht nur eine Beobachtung, sondern ordnet ein Kind in ein gesellschaftliches Geschlechtersystem ein und ruft damit Erwartungen, Rollenbilder und Normen auf.
Performativität bedeutet dabei nicht, dass Geschlecht einfach frei gewählt oder bloß „gespielt“ ist. Gemeint ist vielmehr, dass Geschlecht als gesellschaftliche Wirklichkeit durch wiederholte Handlungen, Zuschreibungen und Anerkennungen immer wieder hergestellt wird. Weil diese Wiederholungen nie völlig identisch sind, können sich Vorstellungen von Geschlecht, Körper, Identität und Rollen im Laufe der Zeit auch verändern.