Compulsory Heterosexuality
Compulsory Heterosexuality, kurz Comp Het, bedeutet auf Deutsch Zwangsheterosexualität. Das Konzept beschreibt die gesellschaftliche Annahme und Erwartung, dass Heterosexualität normal, natürlich, universell und für alle Menschen vorgesehen sei. In einer heteronormativen Gesellschaft werden nicht-heterosexuelle Lebensweisen, Beziehungen und Begehren dadurch abgewertet, unsichtbar gemacht, benachteiligt oder ausgeschlossen.
Gemeint ist nicht, dass heterosexuelle Menschen nicht wirklich heterosexuell seien. Kritisiert wird vielmehr, dass Heterosexualität als einzig selbstverständliche und gesellschaftlich bevorzugte Option dargestellt wird. Das kann dazu führen, dass Menschen eigene nicht-heterosexuelle Anziehung lange nicht erkennen, verdrängen oder als „Phase“, Ausnahme oder persönliches Scheitern deuten.
Der Begriff wurde besonders durch Adrienne Richs Essay „Compulsory Heterosexuality and Lesbian Existence“ von 1980 bekannt. Rich analysierte Zwangsheterosexualität als gesellschaftliche Institution, die insbesondere lesbische Existenz unsichtbar macht und kontrolliert. Das Konzept ist ein wichtiger Bezugspunkt für spätere Theorien zu Heteronormativität, queerer Kritik und feministischer Gesellschaftsanalyse.